Archäologie der Untätigkeit, von Frédéric Samama

Unsere Untätigkeit angesichts des Klimas stellt ein Rätsel dar. Was ist geschehen, dass wir uns in einer Situation befinden, in der ohne massive Mobilisierung mehrere Milliarden Menschen bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschwinden könnten? Ein Rätsel, weil dieses Risiko seit Jahrzehnten bekannt ist. Ein Rätsel vor allem, weil diese Situation das Ergebnis unseres eigenen Handelns ist. Warum dieser kollektive Selbstmord? Und warum diese Untätigkeit?

Die hier aufgestellte Hypothese lautet, dass Gesellschaften wie lebende Organismen funktionieren, auf der Suche nach Energie und gleichzeitig ihren Verbrauch optimierend. Die Kognitionswissenschaften bieten uns zum Verständnis ein wirksames Modell: die Bayessche Inferenz, wonach das Gehirn ständig auf der Suche nach Gesetzmäßigkeiten aus seinen Beobachtungen ist. Nur kann dieser Mechanismus auch dysfunktional sein; dies ist der Fall, wenn das Individuum, gestärkt durch seine Gewissheiten, seine Weltdarstellung nicht mehr aktualisiert.

Dieses Buch betrachtet die Geschichte neu, von Sapiens bis zu den Finanzmärkten, auf der Suche nach jenen Momenten der Selbstüberschätzung, die so viele Schwachstellen verursachen. Dieser „Werkzeugkasten“ kann dann reaktiviert werden, um ein neues, kollektives und verantwortungsbewusstes Verhältnis zur Natur vorzuschlagen, das sich im Gegenzug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ausweitet.

Vorwort von Jean Jouzel
Herman 192 Seiten